2014/11/04 Wiener Zeitung (German)

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In einem kleinen Flugzeug, das er selbst gebaut hat, landet der österreichische Regisseur Hubert Sauper in seinem neuen Dokumentarfilm an verschiedenen Orten in Afrika. “We Come as Friends”, erklärt er jedesmal, sei es im kleinen Dorf, einem entlegenen Bauernhof, einer halb-verlassenen Ölbohrstelle, einer Fabrik, einem Missionars-Camp oder einer UN-Enklave. In Tansania und im Sudan ist er unterwegs, wie schon in seiner Kapitalismus-Anklage “Darwins Nightmare” auf den Spuren den Kolonialismus, dieses Mal am Beispiel der Unabhängigkeitserklärung Sudans im Jahr 2011.

 

Wiener Zeitung: Warum wollten Sie diesen Film machen?

Hubert Sauper: Weil ich das Desaster voraussehen konnte. Hier war ein Land kurz davor, eine Grenze direkt durch seine Ölfelder zu ziehen. Es war klar, dass es da knallen würde.

Ihr letzter Film, “Darwin’s Nightmare”, war eingeschlagen wie eine Bombe, aber mit dem unglaublichen internationalen Echo und der Oscar-Nominierung gingen auch ein juristisches Nachspiel und eine teilweise sehr politische Verfolgung einher. Welches Risiko sehen Sie nun mit diesem Film?

Ich glaube, dass auch dieser Film wieder Wellen schlagen wird, sobald ihn genügend Leute – oder die “richtigen” Leute gesehen haben. Das Nachbeben zu “Darwins Nightmare” hatte mich jedenfalls hart getroffen, aber das muss man in Kauf nehmen. Meine Filme sind wie trojanische Pferde.

Ein trojanisches Pferd in Form eines Flugzeugs … was symbolisiert das Flugzeug für Sie?

Es ist natürlich ein offensichtliches Ausdrucksmittel von Überlegenheit. Etwas, das sich da auf den afrikanischen Kontinent hinunterlässt, sozusagen. Es bringt “gute”, “rettende” Menschen, oft mit Hilfsgütern. Oft ist gut gemeint allerdings nicht gleich gut, wie wir wissen und das Konzept dieser Überlegenheit kann sich sehr schnell umkehren, und das soll es wohl auch. Ich meine, wenn man mit dieser Blechdose – mehr ist es ja nicht – auf einem lybischen Militärstützpunkt landet, kann man nicht mehr wirklich behaupten, überlegen zu sein. Aber dass wir in solchen Fällen regelrecht ausgelacht wurden, hat sehr geholfen, überhaupt ins Gespräch zu kommen.

Sie thematisieren auch mit diesem Film die Kolonialisierung, speziell in Afrika, und in diesem Zusammenhang sprechen Sie von “zivilisatorischer Pathologie”. Was meinen Sie damit?

Es ist ja so, dass, auch wenn ich Filme in Afrika drehe, ich keine Filme über Afrika mache. Afrika ist in diesem Sinne die Ausgangsbasis, ein Trigger, um über den Rest der Welt zu sprechen, und hier ist dieser “Zivilisierungswille”, der hinausgetragen wird, durchaus eine Krankheit vor allem in der westlichen Welt.

Wie hat sich für Sie die dramaturgische Struktur für den Film ergeben?

Dramaturgisch ist der Film ganz bewusst wie ein Science Fiction Film aufgebaut, also als eine Reise durch Zeit und Raum. Das heißt, man begegnet Aliens, zu denen ich mich zähle und es heißt auch, dass man oft schnell wieder weiter muss. Das war auch meine Absicht. Ich wollte nicht, dass man sich an irgendeiner Stelle im Film als Zuseher zu sehr einrichten kann. Der Zuseher soll sich auf keinen Fall wohlfühlen.

 

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